Schulgeschichte
Geschichte der Schule und Namensgeber ...  

 

Geschichte der Schule

Die Albert-Schäffle-Schule hat sich - wie alle beruflichen Schulen - Anfang des 20. Jahrhunderts aus der sogenannte gewerblichen Fortbildungsschule entwickelt. Die Schon seit Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die Lehrlinge der kaufmännischen Betriebezusammen mit den gewerblichen Lehrlingen in Fächern wie Deutsch, Rechnen, Zeichnen und Buchführung unterrichtet. Der Unterricht dieser "Berufsschule" fand allerdings außerhalb der Arbeitszeit, also abends und am Sonntagvormittag statt.

Nach dem 1. Weltkrieg bekam das Nürtinger Realgymnasium, das bisher in der Kirchstraße 13 war, sein neues Domizil in dem Gebäude des heutigen Max-Planck-Gymnasiums. In das freigewordene Gebäude zog dann Anfang 1920 die neugegründete Gewerbe- und Handelsschule ein.

Interessant ist, daß gerade in diesem Gebäude der Namenspatron unserer Schule, Albert Schäffle, geboren wurde. Sein Vater hatte dort als Lehrer am Realgymnasium eine Dienstwohnung. Zu der Kaufmännischen Berufsschule kam im Jahr 1952 die Höhere Handelsschule als erste Vollzeitschule hinzu. Sie ist die Vorgängerin des heutigen Kaufmännischen Berufskollegs bzw. der Wirtschaftsschule in der Mittelstufe.

Bald platzte die Schule in der Kirchstraße 13 aus allen Nähten. Im Jahr 1955 konnte die Gewerbeschule dann ihr neues Schulgebäude in der Kanalstraße beziehen. Die inzwischen selbständige Kaufmännische Schule war dann bis zum Bezug der eigenen neuen Schule auf sieben verschiedene Gebäude in der Stadt verteilt.

Im Mai 1968 konnte dann die Albert-Schäffle-Schule - damals erhielt sie auch ihren Namen - in ihrem Neubau eingeweiht werden. Es war das sogenannte "Hochhaus" in der Kanalstraße, das heute zur Otto-Umfrid-Schule gehört. Neben der Kaufmännischen Berufsschule gehörten zu ihr zwischenzeitlich die Wirtschaftsschule (früher Höhere Handelsschule Mittelstufe), die Berufsaufbauschule und das Wirtschaftsgymnasium (früher Wirtschaftsoberschule). Damals besuchten die Albert-Schäffle-Schule ca. 1.000 Schüler.

Bereits nach kurzer Zeit war auch dieses Gebäude zu klein und der Schulträger (damals noch der Landkreis Nürtingen mit Landrat Dr. Schaude an der Spitze) erstellte einen Neubau. Im Jahr 1973 wurde dann die jetzige Schule auf dem Säer bezogen.

Die Albert-Schäffle-Schule hat heute rund 1.200 Schüler, die von 70 Lehrern unterrichtet werden. Neben dem ausbildungsbegleitenden Besuch der Kaufmännischen Berufsschule, kann hier heute in den verschiedenen Schularten die Mittlere Reife (Wirtschaftsschule und Telekolleg I), die Fachhochschulreife (Kaufmännisches Berufskolleg und Telekolleg II) und das Abitur (Wirtschaftsgymnasium) erworben werden. (Günter Blodau)

 

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Albert Schäffle 

"Reiten, Fischen, Schlittenfahren, Fuhrwerken, Schwimmen, Raufen und regelmäßige Tagestouren auf den Hohenneuffen" - daran erinnerte sich der am 24. Februar 1831 in Nürtingen geborene Albert Schäffle in seiner Autobiographie. Obwohl er bereits 1839 seinen Vater verloren hatte, attestierte er sich eine "glückliche Kindheit am schwäbischen Albtrauf".

Schwarzer Rock, blaue Bluse, schwäbisches Scheuleder.schaeffle

Für begabte Knaben aus einfachen Familienverhältnissen stand im Württemberg des 19. Jahrhunderts nur die theologische Laufbahn offen. Und so wurde auch der junge Albert nach bestandenem "Landexamen" 1844 Schüler des niederen Seminars zu Schönthal an der Jagst. Schon dort stellte sich heraus, dass er sich weniger für die Theologie und mehr für Mathematik, Geschichte, Geographie und Naturwissenschaften interessierte, was sich am Tübinger Stift, an dem er 1848 nach bestandenem Abitur mit dem Theologiestudium begann, fortsetzte.

Dann jedoch setzten die Ereignisse von 1848/49 einen ersten entscheidenden Wendepunkt in seinem Leben. Wie viele seiner Studienkollegen ließ er sich für die demokratische Revolution begeistern. Zum Schutz der Frankfurter Paulskirchenverfassung, die im März 1848 beschlossen worden war, und zur Abwehr der Militärmacht der fürstlichen Verfassungsfeinde sammelten sich die demokratischen Freischaren zusammen mit den Truppen der verfassungstreuen Länder im Badischen Schwarzwald zur letzten Verteidigung. Auch Albert Schäffle zog die blaue Bluse des Freischärlers an und unterstellte sich in Gernsbach den Truppen des Revolutionärs Max Dortu, an den er sich auch später noch respektvoll erinnert. Gleichzeitig war er jedoch auch schockiert von den anarchischen Zustanden, die im Machtvakuum der Revolution entstanden, und abgestoßen vom ziellosen Radikalismus mancher Revolutionäre.

Als klar wurde, dass die demokratische Sache verloren war, löste sich die Freischar auf, ohne einen Schuss abgegeben zu haben. Schäffle floh zusammen mit anderen Aufständischen zurück nach Württemberg, um der preußischen Rachejustitz zu entgehen. Über die zurückgekehrten "Rebellen" wurde in Tübingen die Karzerstrafe verhängt, der er sich durch erneute Flucht entzog. Damit war seine theologische Laufbahn beendet.

Nach einer kurzen Episode als Lehrer wurde Schäffle 1850 mit 19 Jahren Journalist beim renommierten "Schwäbischen Merkur". Sein Ressort war das Ausland "en bloc". Mit einem Mal stand er mitten im Leben und musste sich ernsthaft mit Fragen des Staatsrechts, der Politik und der Nationalökonomie auseinandersetzen, Englisch und Französisch lernen und sich als Theaterrezensent mit Literatur befassen. Hier holte er sich das Rüstzeug für die höhere Dienstprüfung im Ministerium des Inneren, die er 1855 bestand, ohne jemals eine Fachvorlesung an der Universität besucht zu haben; hier konnte er auch das "Scheuleder" der damals vorherrschenden schwäbischen Kleingeisterei ablegen und sich eine unvoreingenommenere Sicht der Dinge aneignen. Seine politische Richtung war entschieden: weg vom "radikalen Individualismus und vom vulgären Liberalismus", hin zum "nicht reaktionären Konservativen", weg vom kleinstaatlichen Egoismus, hin zum gesamtdeutschen Denken.

Im gleichen Jahr noch heiratete er die Handwerkerstochter Caroline Scherff, die ihm eine verständnisvolle Lebensgefährtin wurde. Sie trat jedoch niemals aus dem Schatten ihres Mannes heraus, es sei denn durch die Herstellung schwäbischer Spätzle, mit denen sie manchmal die Kollegen und Mitstreiter ihres Ehemannes versorgte.

Zwischen Preußen und Österreich, Schäffle hatte nun die Wahl zwischen dem Staatsdienst und der akademischen Laufbahn und entschied sich für letztere, da er glaubte, sich bei dieser unabhängiger entfalten zu können. Er wurde in Tübingen Professor für Nationalökonomie, Politik, Polizeiwissenschaft und Enzyklopädie der Staatswissenschaften.

1861 wurde er als Landtagsabgeordneter für den Bezirk Tübingen gewählt. Die positiven Erfahrungen, die er auf seinen Wahlveranstaltungen machte, ließen ihn zu einem dezidierten Befürworter des allgemeinen Wahlrechts werden.

Der machtpolitische Dualismus zwischen dem nahezu ganz Nord- und Westdeutschland beherrschenden preußischen Staat und der im Donauraum dominierenden Monarchie der Habsburger war um 1860 die in Mitteleuropa bestimmende Realität. Schäffle erkannte dies sehr früh. Er hoffte, mit seinem Mandat für die Zolleinigung mit Österreich und für die Reform der Verfassung des deutschen Bundes wirken zu können, erreichte aber auf diesem Wege nach seiner Ansicht zu wenig und legte sein Mandat nach vier Jahren nieder. 1868 wurde er ins Zollparlament nach Berlin gewählt, das eine engere Zusammenarbeit zwischen dem Norddeutschen Bund und den süddeutschen Staate vorbereiten sollte.

"An keinem Orte ist je so viel Raubgesindel vereinigt gewesen, wie hier drunten".

Unerwartet erhielt Schäffle einen Ruf an die Universität Wien. Er lebte sich schnell in Wien ein, galt als ein sehr strenger Professor, obwohl er viel weniger verlangte als in Tübingen, beschäftigte sich interessiert mit den Menschen des Vielvölkerstaats, lernte ihre besonderen Eigenheiten kennen, sah kritisch ihre Vorurteile und Haßgefühle und setzte sich mit allem auseinander. 1870 diktierte er aus dem Stegreif seine "österreichischen Staatsgrundsätze", die (ohne Wissen Schäffles) dem Kaiser vorgelegt wurden.

Die Monarchie Österreich-Ungarn war damals von starken Inneren Unruhen erfüllt. Nach den Ungarn strebten nun auch die Tschechen und Polen nach größerer nationaler Selbständigkeit. Kaiser Franz Joseph I. war bereit, ein ausgleichsfreundliches Ministerium zu bilden. Aufgrund der "österreichischen Staatsgrundsätze" erschien ihm Schäffle als der geeignete Mann, den Ausgleich mit Böhmen herbeizuführen. Er erhielt deshalb 1870 vom Kaiser den Auftrag, bei der Bildung eines Kabinetts zu helfen. Er selbst übernahm neben dem Handelsministerium interimistisch auch das Ackerbauministerium.

Das "Ministerium der reinen Hände" wurde vom Reichsrat sofort als verfassungsfeindlich hingestellt, ohne daß man die Pläne kannte. Schäffle wurde als Protestant, Reichsdeutscher und Sozialreformer verunglimpft und hatte sehr harte Kämpfe zu bestehen. In Prag konnte er mit den Führern der böhmischen Opposition eine Präliminarverständigung erzielen. Die Ergebnisse wurden in den "Fundamentalartikeln" zusammengefaßt. Ziel war: Einheit im Notwendigen (Auswärtiges, Militär und Finanzen), dagegen Sonderrechte des böhmischen Landtags auf dem Gebiet der Gesetzgebung. Amtssprache sollte in Gebieten mit überwiegend tschechischer Bevölkerung Tschechisch sein.

Bald setzte in Wien verstärkter Widerstand ein. Der Kaiser wurde unsicher. Was den Böhmen zugesagt worden war, wurde so stark geändert, daß die Böhmen darin einen Wortbruch des Kaisers sahen. Schäffle, der sich den Tschechen besonders verpflichtet fühlte, reichte darauf ein separates Abschiedsgesuch ein. Da dieses vom Kaiser nicht genehmigt wurde, legte am nächsten Tag das Gesamtkabinett sein Entlassungsgesuch vor und dieses wurde angenommen. Schäffles großzügige Pläne waren damit gescheitert, ebenso der Versuch einer Neuordnung der Monarchie Österreich-Ungarn im Sinne des Trialismus, durch die der Zerfall des Großreiches vielleicht aufgehalten worden wäre...

Im Grunde stieß sein Reformdenken mit einer ungemein komplexen, von aktuellen Cliquenkämpfen wie von uralten gesellschaftlichen Verkrustungen bestimmten Wirklichkeit zusammen, die seine praktische, auf das Verständige und Machbare gerichtete schwäbische Vernunft nicht zu bewältigen vermochte.

In tätiger Muße, Schäffle stand nun nochmals am Scheideweg. Zurückgekehrt nach Stuttgart entschloss er sich, der Parteipolitik fernzubleiben und sich ganz als unabhängiger Publizist zu betätigen. Außer der Abfassung seines Hauptwerks "Bau und Leben des socialen Körpers" und der Auseinandersetzung mit wirtschafts- und finanztheoretischen Spezialfragen interessierte ihn vor allem die sogenannte "Soziale Frage".

Ähnlich wie heute durchlebte die Gesellschaft damals durch die Industrialisierung Europas einen epochalen Wandel. Kleinbauerntum und Handwerk gingen zurück, die "Arbeiterklasse" entstand und die sozialen Spannungen nahmen zu. Als Folge davon entstand die Arbeiterbewegung, die in Deutschland deutlich revolutionäre Züge trug. Der Staat reagierte darauf mit der Doppelstrategie von "Zuckerbrot und Peitsche". Das "Zuckerbrot" war die Sozialversicherung, mit der der Staat hoffte, die Arbeiter für sich einzunehmen, die "Peitsche" das Sozialistengesetz, mit dem die Sozialdemokraten verfolgt wurden.

Auch hier versuchte Albert Schäffle eine vermittelnde und z.T. auch unbequeme Rolle einzunehmen. Er kritisierte zwar den von der SPD propagierten Sozialismus als illusorisch, fand aber auch Verständnis für die Belange und Forderungen der Arbeiter und weigerte sich, sich von der hysterischen Sozialistenfurcht der Herrschenden anstecken zu lassen. Seine Versuche, mit seinen Schriften die Diskussion zu versachlichen, hat ihm den Verdacht eingetragen, selbst ein Sozialist zu sein, was in der damaligen Zeit eine nicht ungefährliche Denunziation bedeutete.

1881 schickte Schäffle an Bismarck einen Artikel, der Stellung nahm zu dessen Unfallversicherungsentwurf und Änderungsvorschläge brachte. Bismarck lud Schäffle zu einer Besprechung nach Berlin ein. Eine Mitwirkung Schäffles an der Sozialgesetzgebung war vorgesehen. Doch erkrankte Bismarck und eine weitere Mitarbeit des Schwaben am Gesetzgebungswerk Bismarcks unterblieb, ebenso die Berufung Schäffles ins Reichskanzleramt.

Zu seinem 70. Geburtstag wurde er besonders geehrt durch eine von sechs Professoren verschiedener Fachdisziplinen verfasste Festschrift. Am 25. Dezember 1903 starb er an einem Nierenleiden.

Die "Neue Züricher Zeitung" schrieb, ganz im Pathos der damaligen Zeit, nach seinem Tod: "Mit Schäffle ist einer der allerhervorragendsten deutschen Gelehrten auf dem Gebiet der Nationalökonomie dahingegangen, ein Mann von wahrhafter Universalität des Geistes, ein scharfsinniger Kopf, der alles, was er anpackte, geistvoll zu behandeln verstand. Die Gelehrtennatur verband er mit hoher realpolitischer Begabung, die ihn nicht nur in vielen wichtigen staatswissenschaftlichen Tagesfragen literarisch eingreifen ließ, sondern ihn vom Katheder weg zur Ministerstellung geführt hat."

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Letzte Aktualisierung ( Sonntag, 1. Februar 2009 )
 
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