Das Kooperationsprojekt "Soziales Lernen" der Albert-Schäffle-Schule, Samariterstiftung Nürtingen und Ausbildende Banken im Landkreis Esslingen.

Aufgrund des tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandels gewinnt Soziales Lernen eine neue und zentrale Bedeutung für das Zusammenleben der Menschen und für eine funktionierende demokratische Gesellschaft:

„Dass ich auch mit alten und psychisch kranken Menschen gut auskommen kann, das wusste ich vorher nicht. Ich hatte viel Spaß mit ihnen und kann ihnen nun ohne Vorurteile entgegen treten!"

- so die Aussage einer Teilnehmerin am Kooperationsprojekt „Soziales Lernen". Dieses wird seit September 2002 für Auszubildende der Banken im Landkreis Esslingen durchgeführt, wobei die jeweiligen Ausbildungsbetriebe, die Samariterstiftung und die Albert-Schäffle-Schule miteinander kooperieren. Das Projekt erhielt den 1. Preis der Landesstiftung für hervorragende Kooperationen.
Wöchentlich kommen Auszubildende an einem Nachmittag in die Einrichtungen der Samariterstiftung, um mit den Menschen gemeinsam Kuchen zu backen, ihnen vorzulesen, zuzuhören und zu erzählen. Über fünf Monate hinweg lernen so die jungen Erwachsenen ausbildungsbegleitend stationäre und teilstationäre Einrichtungen der Samariterstiftung kennen und erproben sich im Umgang mit alten, pflegebedürftigen und psychisch kranken Menschen.

Ziele des Projektes:

Die Auszubildenden

  • erhalten Einblick in Lebenswelten, zu denen junge Erwachsene in der Regel keinen Zugang haben.
  • übernehmen Aufgaben und Pflichten,
  • erproben sich in verschiedenen Rollen,
  • entwickeln Verständnis und Toleranz und werden sich ihrer Verantwortung bewusst,
  • erlernen Grundqualifikationen menschlichen Zusammenlebens, um nicht zuletzt auch den Kunden der Bank besser gerecht werden zu können,
  • eignen sich Team- und Konfliktfähigkeit und Problemlösungskompetenz an,
  • schulen ihre Wahrnehmungsfähigkeit und erproben neue Kommunikationsformen,
  • setzen sich angesichts der Begegnung mit Menschen in Grenzsituationen mit eigenen Werten und Lebenskonzepten auseinander,
  • bauen ihr Wissen über soziale Zusammenhänge in unserer Gesellschaft aus.

Darüber hinaus findet ein Kompetenztransfer zwischen den beteiligten Projektpartnern statt.

Ablauf des Projektes:

Vorbereitung:
Auf zwei Einführungsveranstaltungen in der Albert-Schäffle-Schule und in der Samariterstiftung bekommen die Auszubildenden Hintergrundwissen und machen sich mit den auf sie zukommenden Aufgaben vertraut.

Praktische Erfahrungen vor Ort:
Fünf Monate lang kommen die Auszubildenden wöchentlich für einen Nachmittag in die Einrichtungen, um im Umgang mit den dort lebenden Menschen soziale Lernerfahrungen zu machen.

Im Dr. Vöhringer Heim (Altenpflegeheim) werden alte Menschen einzeln betreut. In Aktivierungsgruppen und Kunsttherapie helfen die angehenden Bankkaufleute noch vorhandene Fähigkeiten der alten Menschen wieder zu wecken oder - wie z.B. beim Gedächtnistraining in den Tagesgruppen - möglichst lang zu erhalten. Auch eine Einführung in den Umgang mit PC und Internet findet bei den Bewohnerinnen und Bewohnern Anklang. Adventsfeiern, andere Feste, gemeinsames Backen und Kochen tragen nicht unerheblich zu bereichernden Begegnungen zwischen Jung und Alt bei. Im Kroatenhof (Betreutes Wohnen) lernen die Auszubildenden in Gesprächen viel über das Leben der älteren Generation, organisieren Ausflüge und andere Beschäftigungsangebote. In der Wohnstätte für chronisch psychisch kranke Menschen beteiligen sich die jungen Leute bei der Ergotherapie und in der Alltagsbegleitung der Bewohnerinnen und Bewohner. In die Arbeitsabläufe integriert und mit einem eigenen PC Kurs vertreten sind die Auszubilden in der Werkstatt für behinderte Menschen in Wendlingen. An diesen verschiedenen Einsatzorten entwickeln die Auszubildenden im Rahmen ihres Einsatzes in Zusammenarbeit mit den Hauptamtlichen Angebote und Aktionen, die sie dann selbständig durchführen.

Begleitung:
Eine fachliche Begleitung der jungen Erwachsenen findet zum einen in den Einrichtungen, zum anderen im Rahmen des Religionsunterrichts an der Albert-Schäffle-Schule statt.

Auswertung und Präsentation:
Abschließend wird das Sozialprojekt mit allen Beteiligten ausgewertet. Die Auszubildenden reflektieren und besprechen ihre Erfahrungen und den Transfer in den beruflichen und privaten Alltag. Mit einer großen von den Auszubildenden organisierten Präsentationsveranstaltung in einer der beteiligten Bank oder Einrichtungen werden alle Aspekte und Erfahrungen des Projektes der Öffentlichkeit vorgestellt.